Rückknospung bei Kiefern

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Rückknospung bei Kiefern

Beitrag  Gast am Sa 10 Mai 2008, 09:33

Hallo, irgendjemand fragte mich beim letzten Kastner-Seminar, was denn eigentlich meine "Pjotr-Kiefer" von Pillnitz macht und ob sie den ausreichend Knospen gebildet hat.

Ganz ehrlich, ich habe bei Kiefern schon einiges mitgemacht aber sowas habe ich noch nicht gesehen. Die treibt wie blöde aus allen nur erdenklichen Ritzen, selbst an 2cm starken Ästen, wo schon Borke dran ist brigt sie neuen Wuchs.
Anbei mal ein paar Bilder dazu, Einzelbild wird später nachgeliefert, der "Hund" ist so schwer, dass ich ihn nicht laufend hin und her schleppe.

Für mich ergibt sich aus dieser und anderen Gestaltungen an meinen Kiefern folgendes:
Ich werde keine Kerze mehr einkürzen, lediglich dort wo mehr als zwei an einer Stelle wachsen, entferne ich sie beizeiten als Knospen ganz. Vielmehr lasse ich den Austrieb ungehindert wachsen und kürze dann Ende Juni Anfang Juli den Neutrieb nach Wunsch ein. M.E. nach ist ein Baum, der ungehindert den Neutrieb bringen kann irgendwie vitaler und kraftvoller. Ausserdem gibt es nicht, wie beim Einkürzen der Kerzen, diese Ansammlung von dieser Art Hexenbesen, wo dann gleich 8-12 oder mehr Knospen an einer Stelle herauskommen.
Ausserdem, so ist meine Beobachtung, gibt es beim einkürzen der Kerzen die neuen Knospen stärker im vorderen und Spitzenbereich. Während beim Triebschnitt im Juni-Juli, der Baum auch im hinteren Bereich, also insgesammt gleichmäßiger die Knospen bringt.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?



Hier der 2cm-Ast mit Austrieb


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gesammte Krone

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Re: Rückknospung bei Kiefern

Beitrag  uvex am Sa 10 Mai 2008, 14:25

hallo!

jetzt wirds ja richtig hochinteressant! Gutes Thema. Danke deshalb, Jörg!

1.) Wir verlassen uns gerade auch bei Kiefern viel zu sehr auf Gestalter in Japan. Dass die in Japan generell ihren Pflanzen mehr zumuten können, als wir hier, liegt aufgrund des Klimas im mittleren und südlichen Japan auf der Hand.
2.) Tendenziell wird im Bonsai-Hobby-Bereich viel zuviel geschnitten! Mein Standartsatz, den ich leider sehr oft wiederholen muss: 'Pflanzen brauchen Blätter!' (Es gibt immer wieder Leute, die das vergessen)
3.) Kiefern sind meiner Meinung nach recht schwierig zu gestalten (Ich rede hier von der Gestaltung von Spitzenbäumen) Weil: Der Gestaltungszyklus von Kiefern geht über mehrere Jahre. Und da muß, abhängig von der Vitalität der Pflanze auch noch flexibel reagiert werden.
4.) Solange Kiefern im Aufbau sind und zurückknospen sollen, empfehle ich auch: Wachsen lassen und im Sommer stark einkürzen und auslichten, evtl. auch Nadeln zupfen. Das fördert die Aktivierung schlafender Knospen. Deshalb empfehle ich z.B. auch die Erstgestaltung im Sommer! Funktioniert aber nur bei gesunden kräftigen Bäumen. Frisch getopfte oder kränkelnde Bäume lieber mit starken Eingriffen verschonen und bis zum nächsten Sommer warten! Der Mythos, dass man alle alten Kiefernadeln entfernen soll und nur die frischen stehen läßt, ist in der Aufbauphase kontraproduktiv, weil schwächend!
5.) Verfeinerungsphase: 1.Jahr: April umtopfen, dann ungehindert wachsen lassen, kräftig giessen und düngen (Nadeln werden dann zwar lang, aber der Baum bekommt Kraft! / 2. u. 3. (4.)Jahr: Gut düngen, im Mai Pinzieren, im Juni,Juli sparsam giessen, im Sommer lange alte Nadeln ausschneiden, zurückschneiden, durchdrahten und im Herbst sieht der Baum überwältigend aus! cyclops cheers drunken / 4. (5.)Jahr: siehe erstes Jahr

Bei Pinus sylvestrisund parviflora funzt das bestens. Pinus mugo ist etwas träger bei der Rückknospung und Pinus nigra ganz schwierig. Generell gilt aber: Je kräftiger die Pflanze ist, umso mehr schlafende Knospen kann ich wecken.
Fichten reagieren auch gut auf Sommerschnitt.

VG und bin mal auf die Erfahrungen der anderen gespannt!
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Re: Rückknospung bei Kiefern

Beitrag  Thomas am So 11 Mai 2008, 00:53

Das ist wirklich ein äußerst interessantes Thema.
Danke , Uwe, für Deine interessanten Ausführungen.

Natürlich darf man dieses Jahr nicht unbedingt als Maßstab nehmen.
Das scheint ein absolutes Kiefernjahr zu sein. Ob Nigra, Mugo oder Sylvestris, alle schieben ohne Ende,
knospen rück an allen möglichen Stellen. Auch treiben fast alle Zapfen, wie ich das in dem Umfang noch nicht gesehen habe.
Nicht nur die Kiefern, selbst Piceas, die tw. jahrelang vor sich hindümpelten, explodieren förmlich.
Ich pinzettiere eigentlich alle, aber selektiv und das Jahr für Jahr prinzipiell gleich.
Auffällig ist bei Mugo und Nigra, dass es da so alle 3-4 Jahre fette Jahre gibt wie dieses Jahr,
dazwischen liegen magere Jahre. Die Sylvestris zeigt dahingegend eine gewisse Kontinuität
Warscheinlich muss es da auch irgendeien Biorhytmus geben.
Man spricht ja auch von Mastjahren (Eiche) oder Zapfenjahren.

Mugo:


Nigra:


Sylvestris:


Meine bisher dümpelnde Picea:
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Re: Rückknospung bei Kiefern

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